FAQ zu runderneuerten Reifen

WORAUF SOLLTE MAN BEIM KAUF VON RUNDERNEUERTEN ACHTEN?

Beim Kauf sollten Sie auf eine gültige EWG-Zulassung achten und nur von Qualitätsbetrieben kaufen. Außerdem gibt das Qualitätssiegel Aufschlüsse über die Qualität der Runderneuerungs­betriebe.

WORAN ERKENNT MAN EINEN RUNDERNEUERTEN REIFEN?

Runderneuerte Reifen kann man ganz einfach erkennen, denn es gibt für sie spezielle Kennzeichnungen und Schriftzüge: „runderneuert“, „retread“, „retreaded“ oder „R“. 

Die EWG-Zulassung lässt sich am ECE-Prüfzeichen – dem eingekreisten E mit Ziffer – erkennen. E1 bedeutet zum Beispiel, dass die Zulassung in Deutschland erfolgt ist. 

Zusätzlich findet man an der Flanke übliche Reifenbezeichnungen und die DOT-Nummer , die das Produktionsdatum und in diesem Fall das Datum der Runderneuerung angibt.

WIE SICHER SIND REPARIERTE REIFEN?

Fachkundig reparierte Reifen sind sicher. Zertifizierte Vulkaniseure führen Reparaturen mit Spezialequipment wie zum Beispiel Heizpressen durch. Der Reifen ist nach einer profes­sionellen Reparatur wieder genauso einsatzfähig wie vor der Beschädigung. Zudem muss kein zweiter Reifen ausgewechselt werden.

Zunächst wird der Schadensumfang im demontierten Zustand begutachtet und die Reparatur­fähigkeit des Reifens überprüft. Ist eine Reparatur möglich, wird der Schaden fachmännisch mit speziellen Reparaturwerkzeugen bearbeitet und im Kalt- oder Heißverfahren instand­gesetzt. Komplexere Heißreparaturen kommen vor allem bei Lkw-, Agrar- und Baumaschinen­reifen zum Einsatz und werden in Meisterfachbetrieben und bei Runderneuerern für Nfz-Reifen durchgeführt.

WIE BESTIMMT MAN DAS REIFENALTER?

Pkw-Reifen dürfen höchstens sieben Jahre alt sein, um runderneuert werden zu dürfen. Wann ein Reifen hergestellt wurde, erkennt man auf der Reifenflanke: Das Alter ist mehrheitlich nur an einer Seitenwand des Reifens als vierstellige Ziffernfolge meist in der DOT-Nummer eingeprägt (z.B. DOT CNT4 P2HF 2220). Die vollständige DOT-Nummer besteht aus drei Blöcken mit jeweils vier Zeichen. Für das Herstellungsdatum relevant ist der dritte Ziffernblock. Er steht meist etwas abgesetzt in einem Oval. Die ersten zwei Ziffern stehen für die Produktionswoche, die letzten zwei für das Herstellungsjahr. Beispielsweise bedeutet die Ziffernfolge 2220: 22. Produktionswoche im Jahr 2020.

Runderneuert - nachhaltig und ressourcenschonend
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WAS SIND LOW-END-REIFEN?

Low-End-Reifen werden vor allem in Asien produziert und sind nicht erneuerbar.

Obwohl sie qualitativ nicht besser sind als ihr runderneuertes Pendant, entscheiden sich kostensensible Kunden verstärkt für ihn. Allerdings haben Low-End-Reifen meist deutlich längere Bremswege und neigen eher zu Aquaplaning als Premiumreifen. Außerdem haben sie ein schlechtes Grippniveau, keine Seitenführung, heftige Lastwechselreaktionen schon bei langsamer Geschwindigkeit und kaum Traktion. Die Transportwege der Low-End-Reifen sind um ein Vielfaches weiter. 

Gerade bei Winterreifen ist vom Kauf von Billigreifen dringend abzuraten, da diese mit deutlichen Sicherheitsrisiken einhergehen.

WAS SIND LAUFFLÄCHENMISCHUNGEN?

Gummimischungen von Reifen können unterschiedliche Verhaltensweisen der Reifen beeinflussen. So sind manche Laufflächenmischungen hitzebeständiger als andere, weswegen sie für Sommerreifen verwendet werden. Laufflächenmischungen mit einer erhöhten Haftung und wasserabweisenden Eigenschaften werden bei Winterreifen eingesetzt. Reifengummimischungen bestehen zu einem Großteil aus Natur- oder synthetischem Kautschuk und werden mit weiteren Bestandteilen wie Silica, Ruß und anderen Stoffen gemischt, die je nach Beimischung gewünschte Eigenschaften gewährleisten. So macht beispielsweise die sogenannte Silica-Mischung die Struktur der Reifenmischung besonders stabil und sorgt für eine längere Lebensdauer. Bei Ultra-High-Performance Reifen werden auch Naturharze hinzugegeben, um die Bodenhaftung zu verbessern. Die Laufflächenmischung beeinflusst die Übertragung der Seiten- und Längskräfte; je zuverlässiger diese übertragen werden, desto niedriger ist u. a. der Kraftstoffverbrauch.

WAS SIND KILOMETER-VERTRÄGE?

Die häufigste Leasingvariante ist der Vertrag mit Kilometerabrechnung. Hierbei wird direkt am Anfang eine bestimmte Laufleistung vereinbart, die in der Leasingzeit gefahren werden darf. Wird am Ende der Vertragszeit festgestellt, dass zu viele Kilometer zurückgelegt wurden, müssen die Mehrkilometer nachgezahlt werden. Wurde weniger gefahren, erhält man eine Rückzahlung für die Minderkilometer.

WAS IST RAUMEHL?

Das Raumehl besteht aus kleinen Gummipartikeln, die bei der Abrauung der Altreifen entstehen und ist ein wertvoller Sekundärrohstoff, für den es viele Abnehmer gibt.

WAS IST EINE WULST BEI REIFEN?

Die Reifenwulst sitzt direkt auf der Felge und sorgt für den festen Sitz des Reifens auf der Felge. Sie besitzt zudem die Funktion luftdicht zu verschließen und somit bei schlauchlosen Reifen einen konstanten Luftdruck zu gewährleisten.

WAS IST EINE SHEAROGRAPHIE-PRÜFUNG?

Die Shearographie-Prüfung, auch Laser-Speckle-Shearing-Interferometrie genannt, ist ein zerstörungsfreies optisches Feldmessverfahren (Oberflächenmessverfahren) auf Grundlage der Speckle-Messtechnik. Die Oberfläche wird mit einem Laserlicht beleuchtet, wodurch Granulationserscheinungen, sogenannte Speckles, entstehen. Dadurch lassen sich Fehler bzw. Defekte in der Karkasse des Reifens erkennen.

WAS IST EINE REIFENDIMENSION?

Die Reifendimension kann man den Ziffern auf der Reifenflanke entnehmen.

Reifenbreite: Die erste Zahl (hier 205) gibt die Reifenbreite an, sie wird grundsätzlich in Millimetern angegeben. Bei Pkw-Reifen reichen die Querschnittsbreiten von nominell 125 mm bis ca. 335 mm. Die Breiten steigen in 10-mm-Schritten.

Höhe-Breite-Verhältnis: Die zweite Zahl (hier: 55) gibt das Verhältnis von Reifenhöhe zu Reifenbreite in Prozent an. Eine 70 bedeutet, dass der Reifenquerschnitt eine Höhe von 70 Prozent der Reifenbreite hat. Eine 50 bedeutet, dass die Reifenhöhe halb so groß ist wie die Reifenbreite. Der Fachmann spricht hier auch von „50er Serie“ oder „50er-Reifen“.  Mit fallendem Verhältnis, beispielsweise 225/45, wird die Reifenflanke immer niedriger – ein typisches Erscheinungsbild sportlicher oder getunter Autos.

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Felgendurchmesser: Die Zahl nach dem Buchstaben (hier: 16) steht für den Felgendurchmesser. Der Felgendurchmesser wird gemessen an dem Ring, auf dem der Reifenwulst an der Felge aufliegt, das Maß wird meist in Zoll (= 2,54 Zentimetern) angegeben. Die gängigsten Maße reichen von 10 bis 20 Zoll.

WAS IST EINE QUALITÄTSPRÜFUNG FÜR REIFEN?

Zunächst werden die Reifen einer genauen Sichtprüfung unterzogen und Marke, Alter und Beschädigungen nach strengen Auswahlkriterien geprüft.

Anschließend wird bei Nfz-Reifen die Shearografie-Prüfung  angewandt, wobei äußerlich nicht erkennbare Defekte wie Gürtelkantenlösungen, Lösungen zwischen den Karkassenlagen, Lufteinschlüsse oder Feuchtigkeit erkannt werden. Für diese Kontrollen bestehen umfassende europäische Standards und Qualitätsvorgaben.

Nicht runderneuerungsfähige Karkassen  werden kompromisslos aussortiert. Anschließend wird die alte Lauffläche durch moderne computergesteuerte Raumaschinen auf ein spezifisches Maß abgeschliffen („abgeraut“). Im nächsten Schritt werden Gummi- und Unterbauverletzungen repariert.

WAS IST EINE KARKASSE?

Die Karkasse bildet das Gerüst des Reifens. Sie besteht aus einer Gummischicht, die mit Textilfasern durchzogen ist und einem Stahlgürtel, der für die nötige Festigkeit im Reifen sorgt. Das Gewebe oder die Faserlagen bestehen aus Kunstfasern wie Kunstseide, Viskosefaser, Baumwolle oder anderen Pflanzenfasern.

WAS IST EINE KALTERNEUERUNG?

Die Kalterneuerung (nur für Nfz-Reifen) ist eine formunabhängige Runderneuerung, bei der ein bereits vulkanisierter und profilierter Laufstreifen  verwendet wird.

Dieser wird, nach einer ausführlichen Qualitätsprüfung , computergesteuert mittels einer unvulkanisierten Bindegummischicht auf die abgeraute Karkasse  aufgebracht; der Reifen wird in eine Gummihülle gepackt und unter Vakuum gebracht.

Anschließend wird der Reifen in einer Druckkammer (Autoklaven ) bei ca. 95°C bis 110°C vulkanisiert , um eine exzellente Verbindung der Bauteile sicherzustellen.

Zum Schluss wird der Reifen nochmals einer umfassenden und gründlichen Kontrolle unterzogen.

Erfahren Sie hier mehr über die Kalterneuerung .

WAS IST EINE HEISSERNEUERUNG?

Die Heißerneuerung ist eine formgebundene Runderneuerung, bei der die Form- und Profilgebung in einer Heizpresse erfolgt. Nach einer ausführlichen Qualitätsprüfung  wird mit einem computer­gesteuerten Extruder unvulkanisiertes Material auf die abgeraute Karkasse  von Wulst  zu Wulst aufgetragen und anschließend in einer Heizform mit dem gewünschten Laufflächenprofil  bei ca. 165 °C vulkanisiert . Zum Schluss wird der Reifen nochmals einer umfassenden und gründlichen Kontrolle unterzogen. Die Pkw-Runderneuerung erfolgt heute vorwiegend durch die Heißerneuerung, für Runderneuerung von Lkw-Reifen kommen grundsätzlich beide Verfahren zum Einsatz. Erfahren Sie hier mehr über die Heißerneuerung.

WAS IST EIN AUTOKLAV?

Ein Autoklav (gr./lat. selbstverschließend) ist ein gasdicht verschließbarer Druckbehälter, der mit hohen Temperaturen und Drücken arbeitet. Bei der Kaltrunderneuerung  wird ein Autoklav dazu verwendet, um das Material zu vulkanisieren und dabei die Karkasse  mit der neu aufgebrachten Lauffläche sicher zu verbinden.

WAS IST DIE VULKANISATION?

Das Verfahren der Vulkanisation wurde von James Goodyear erfunden und dient dazu, einen Reifen elastischer zu machen. Durch den Zusatz von Schwefel und Füllstoffen wird der Naturkautschuk dabei zu Gummi verarbeitet, der sowohl elastischer als auch resistenter ist. Bei Temperaturen von rund 170 Grad Celsius werden die Kautschukmoleküle miteinander vernetzt. Durch diese Vernetzung erhält Gummi die bekannten elastischen Eigenschaften. Bei der Runderneuerung wird bei der Vulkanisation durch Vernetzung der Moleküle die neue Lauffläche mit der Karkasse sicher verklebt.

WAS IST DIE CIRCULAR ECONOMY (KREISLAUFWIRTSCHAFT)?

Eine Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) strebt die längst mögliche Nutzung von Produkten und Rohstoffen an – das heißt, Abfälle heißt Abfälle durch Wiederverwendung und Reparatur bestehender Produkte zu vermeiden. Ist das nicht möglich, werden sie wieder in ihre Rohstoffe zerlegt und diese wiederverwertet. Abfallvermeidung und Wiederverwendung stehen dabei immer vor dem Recycling.

WAS IST DAS REIFENPROFIL?

Als Reifenprofil wird die Struktur eines Reifens auf dessen Lauffläche bezeichnet. Das Profil selbst zeigt sich als gleichmäßiges Muster aus einer Vielzahl von Rillen und Lamellen, die sich je nach Hersteller und Produktserie unterscheiden. Während die umliegende Gummimischung für eine sichere Haftung auf der Fahrbahn beitragen soll, nehmen die Vertiefungen des Profils einen Einfluss auf das Fahrverhalten bei Regen und Schnee. Durch die Rillen und Ritzen ist es möglich, dass Schnee oder Regen von diesen aufgenommen und weitergeleitet wird. Hierdurch bleibt ein größerer Grip, also eine bestmögliche Bodenhaftung, abhängig von der Beschaffenheit der Fahrbahn, erhalten. Je mehr der Reifen abnutzt und je geringer dessen Profil ist, umso höher ist das Risiko für Aquaplaning oder Traktionsverlust bei widrigen Außenbedingungen. Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 Millimeter. 

KÖNNEN REIFEN REPARIERT WERDEN?

Ja: Defekte Reifen können von Reifen-Fachbetrieben meist sehr gut repariert werden. In vielen Fällen ist eine Reifenreparatur die kostengünstigere und nachhaltigere Lösung als der Kauf eines neuen Reifens.

Je besser der Zustand eines Reifens, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er noch repariert werden kann. Genau wie die Runderneuerung schont die Reifenreparatur wertvolle Ressourcen. Dank fachmännischer Reparatur ist ein Reifen länger im Einsatz, es werden weniger natürliche Rohstoffe verbraucht und Abfall vermieden. Der Umwelt zuliebe lohnt es sich also, immer zu prüfen, ob Reifen noch repariert werden können.

KANN MAN REIFEN SELBST REPARIEREN?

Nein: Für die Reparatur ist spezielles Equipment und eine Fachausbildung gefragt. Deshalb sollte ein Reifen nie selbst repariert werden. Aus Sicherheitsgründen sollte immer ein Spezialist die Reparatur übernehmen. Reifen-Fachbetriebe sind hier die richtigen Ansprechpartner.

 Die Behebung kleinerer Schäden übernehmen in der Regel der Reifenfachhandel oder die Fachwerkstatt. Für größere Schäden sind erfahrene Vulkaniseure zuständig. Vulkaniseur-Meister und Mechaniker für Reifen- und Vulkanisationstechnik sind dafür ausgebildet, defekte Reifen aller Fahrzeugarten zu begutachten, zu beurteilen, ob eine Reparatur möglich ist, und die Reifen wieder instand zu setzen.

FÜR WAS STEHT PAK?

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, sind organische Verbindungen, die bei der unvollständigen Verbrennung von Kohle, Öl, Kraftstoff, Tabak, aber auch z.B. beim Grillen gebildet werden oder zum Teil originäre Bestandteile dieser Stoffe sind. Einige Typen dieser Stoffklasse der PAKs sind als giftig und potenziell krebserregend klassifiziert.

PAKs werden durch Hautkontakt, Einatmen oder durch orale Aufnahme und Umweltbelastungen vom Menschen aufgenommen. Ein Großteil der aufgenommenen Menge wird durch Enzyme inaktiviert. Außerdem zeigen mehrere Studien, bei denen z.B.  die orale Aufnahme von kontaminiertem Sand von Sandkästen aus Altreifen und die Freisetzung von PAKs in das Grundwasser durch Versickern bewertet wurden, dass die Menge an PAKs aus ELT („end-of-life-tyres“, Altreifen), die potenziell für den Menschen schädlich sein könnten, in der Größenordnung der urbanen Umweltbelastung liegt. Auch wenn die Situation teilweise kontrovers diskutiert wird, sehen Experten insgesamt kein zusätzliches Gefahrenpotential für den Konsumenten in Produkten aus ELT .

FÜR WAS STEHT ELT?

ELT steht für end-of-life-tyres, bezeichnet also Reifen, die am Ende ihres Lebenszyklus sind. Diese Altreifen können zu ELT-Granulat oder Gummimehl verarbeitet werden, für das es zahlreiche Einsatzmöglichkeiten gibt (z.B. Fallschutzmatten, gummimodifizierter Asphalt, Bodenbeläge etc.)