Die Allianz Zukunft Reifen (AZuR) hat eine aktualisierte Fassung ihres Greenpapers zum Status der Reifen-Kreislaufwirtschaft in Europa veröffentlicht. 32 Seiten stellen die ökologischen und ökonomischen Potenziale von Runderneuerung, aber auch Reparatur, Nachprofilierung, mechanischer und chemischer Reifenverwertung dar. Das Greenpaper verdeutlicht die Beiträge zu Klimaschutz, Ressourcenschonung und industrieller Wettbewerbsfähigkeit der von AZuR konsequent umgesetzten Circular Economy. Dabei werden auch konkrete Forderungen an die Politik erhoben: Um die vorhandenen Potenziale zu nutzen, sind Anpassungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen dringend erforderlich.
Christina Guth, Koordinatorin des AZuR-Netzwerks, ist die Reifen-Kreislaufwirtschaft „ein funktionierendes Beispiel für nachhaltiges Wirtschaften in Europa. Sie verbindet Klimaschutz, Ressourcenschonung und wirtschaftliche Wertschöpfung. Damit diese Potenziale im Sinne des Clean Industrial Deal vollständig genutzt werden können, braucht es jedoch klare politische Rahmenbedingungen und eine stärkere Förderung zirkulärer Lösungen.
Kreislaufwirtschaft als Schlüssel für Klimaschutz und industrielle Zukunft
Die europäische Wirtschaft steht vor einer mehrfachen Herausforderung: Sie muss gleichzeitig klimaneutraler werden, die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und ihre Rohstoffversorgung sichern. Der Übergang von einer linearen Wirtschaftsweise – produzieren, nutzen, entsorgen – zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft spielt dabei eine zentrale Rolle. Ohne einen deutlich effizienteren Umgang mit Ressourcen lassen sich weder die Klimaziele noch die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Europas sichern. Der von der Europäischen Kommission angestoßene Clean Industrial Deal setzt wichtige Impulse für eine nachhaltige Industriepolitik.
Das aktualisierte AZuR-Greenpaper macht jedoch klar, dass die Kreislaufwirtschaft stärker in den Mittelpunkt politischer Maßnahmen rücken muss. Denn nur wenn Produkte von Anfang an für Wiederverwendung, Reparatur, Runderneuerung und Recycling konzipiert werden, können Ressourcen dauerhaft im Kreislauf gehalten werden.
Gerade im Mobilitätssektor wird diese Transformation zunehmend relevant. Mit steigenden Fahrzeugzahlen wächst auch der Bedarf an Reifen – und damit die Menge an Altreifen. Eine nachhaltige Reifen-Kreislaufwirtschaft bietet hier die Chance, ökologische Herausforderungen mit wirtschaftlichen Chancen zu verbinden.
Ein zentraler Baustein der Reifen-Kreislaufwirtschaft ist die Verlängerung der Nutzungsdauer von Reifen durch die Runderneuerung. Bei Nutzfahrzeugen ermöglicht die Runderneuerung die besonders ressourcenschonende Nutzung, da Nfz-Reifen bis zu dreimal runderneuert werden können. Die Runderneuerung spart – im Vergleich zur Herstellung von Neureifen – erhebliche Mengen an Energie, Rohstoffen und CO₂-Emissionen, und senkt zudem die Reifen-Betriebskosten um bis zu 30 Prozent.
Politischer Handlungsbedarf für Deutschland und Europa
Trotz effizienter Technologie, erfolgreicher Praxisanwendung und steigender Beachtung sieht AZuR weiterhin erheblichen politischen Handlungsbedarf. Das Greenpaper formuliert daher konkrete Forderungen an Politik und Verwaltung in Bund, Ländern und Europäischer Union. Dazu gehören unter anderem die stärkere Förderung von Reparatur und Runderneuerung, verbindliche Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards sowie die gezielte Berücksichtigung runderneuerter Reifen in der öffentlichen Beschaffung. Darüber hinaus fordert AZuR klare gesetzliche Rahmenbedingungen für innovative Recyclingtechnologien und eine stärkere Anerkennung von Recyclingmaterialien als gleichwertige Rohstoffe. Nur so können Investitionen in nachhaltige Technologien langfristig abgesichert werden.
Das AZuR-Greenpaper macht deutlich: Eine konsequent umgesetzte Reifen-Kreislaufwirtschaft bietet vielfältige Vorteile. Sie reduziert Abfälle und CO₂-Emissionen, schont natürliche Ressourcen und stärkt gleichzeitig regionale Wertschöpfungsketten sowie mittelständische Unternehmen. Damit kann sie einen wichtigen Beitrag zur Transformation der europäischen Industrie leisten. Voraussetzung ist jedoch, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen und die vorhandenen Potenziale konsequent nutzen.





