AZuR Runderneuerung
Gipfel 2024

Forderungskatalog zur
Reifenrunderneuerung

Jetzt handeln:
Nachhaltige Lösungen
für die Reifenbranche.

Am 8. Oktober 2024 fand bei RIGDON der AZuR Netzwerk Runderneuerung Gipfel statt. Gemeinsam mit Experten, Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern setzen wir uns für eine nachhaltige Reifenwirtschaft ein. Unser Forderungskatalog zeigt klare Maßnahmen zur Förderung der Runderneuerung auf.

1. Altreifen nur von zertifizierten Unternehmen einsammeln und sortieren lassen

Um sicher zu stellen, dass Altreifen effizient und umweltfreundlich wiederverwertet werden können, dürfen sie nur von zertifizierten Unternehmen gesammelt, geprüft und sortiert werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass gebrauchte Karkassen in den Recyclingkreislauf gelangen und nicht unsachgemäß entsorgt werden. Illegal entsorgte Reifen belasten die Umwelt und verschwenden wertvolle Ressourcen. Durch eine fachgerechte Sammlung und Prüfung der Karkassenqualität wird die Qualität der runderneuerten Reifen verbessert, was sich positiv auf deren Lebensdauer und Sicherheit auswirkt. Unternehmen, die Reifen entsorgen, sollten sich daher für professionelle und geprüfte Dienstleister entscheiden, um Nachhaltigkeit in der Reifenindustrie und eine umweltfreundliche Kreislaufwirtschaft zu fördern. 

Wir fordern eine gesetzliche Vorschrift zur Entsorgung durch zertifizierte Betriebe kann verhindern, dass Altreifen illegal deponiert oder verbrannt werden.

2. Gebrauchtreifen und Karkassen aus der EUDR ausnehmen

Die EU-Entwaldungs-Verordnung (EUDR) wurde entwickelt, um illegale Abholzung zu verhindern. Allerdings müssen gebrauchte Reifen und Karkassen aus diesem Regelwerk ausgenommen werden, da sie keine neuen Rohstoffe aus bedenklichen Quellen enthalten. Eine strikte Anwendung der EUDR könnte die Runderneuerung behindern und somit eine nachhaltige Nutzung vorhandener Ressourcen erschweren. Die Wiederverwendung von Karkassen reduziert den Rohstoffverbrauch erheblich und unterstützt eine umweltfreundliche Kreislaufwirtschaft. Ohne diese Ausnahme könnten viele Unternehmen ihre runderneuerten Produkte nicht mehr wirtschaftlich anbieten, was letztlich zu einer erhöhten Produktion von Neureifen führen würde. Zudem fördert die Runderneuerung die Reduzierung von CO₂-Emissionen, da weniger Rohstoffe benötigt werden. 

Wir fordern eine gezielte Anpassung der Verordnung, um die Kreislaufwirtschaft nicht zu gefährden.

3. Recycling von EU-Reifen nur innerhalb der EU+3

Altreifen, die in der EU anfallen, sollten auch innerhalb der EU sowie in den Ländern Schweiz, Norwegen und Großbritannien recycelt werden. Der Export von Altreifen in Drittländer, wo sie oft unter fragwürdigen Bedingungen verarbeitet oder deponiert werden, muss reduziert werden. Eine regionale Kreislaufwirtschaft hält Wertstoffe im Kreislauf und stärkt umweltfreundliche Recyclingprozesse. Zudem werden durch kürzere Transportwege CO₂-Emissionen reduziert. Nachhaltiges Reifenmanagement bedeutet, Wertstoffe effizient zu nutzen und auf umweltfreundliche Entsorgungslösungen zu setzen. Ohne diese Maßnahme werden Altreifen weiterhin in Länder mit niedrigen Umweltstandards exportiert, was den globalen CO₂-Fußabdruck erhöht. Eine gesetzliche Vorgabe zur regionalen Verwertung von Altreifen würde nicht nur Umweltstandards sichern, sondern auch Arbeitsplätze in der europäischen Recyclingbranche erhalten und ausbauen.

4. Importreifen müssen runderneuerungfähig sein

Jährlich gelangen Millionen von Reifen in die EU, die nicht für eine spätere Runderneuerung geeignet sind. Diese Billigreifen, oft von minderer Qualität, landen schnell im Abfall und belasten die Umwelt. Daher sollten nur solche Reifen importiert werden dürfen, die langlebig sind und sich für eine Runderneuerung eignen. So wird sichergestellt, dass wertvolle Rohstoffe mehrfach genutzt werden können. Ein nachhaltiger Reifenmarkt benötigt klare Vorgaben, um die Qualität importierter Reifen zu steigern und die Abfallmenge zu reduzieren. Eine verpflichtende Eignungsprüfung für Importreifen wäre ein sinnvoller Schritt, um die Runderneuerung als Standard in der Reifenbranche zu etablieren. Ohne solche Vorgaben steigt die Anzahl nicht recycelbarer Altreifen, was die Müllberge und Umweltprobleme weltweit verschärft. Importkontrollen könnten zudem sicherstellen, dass nur nachhaltige und qualitativ hochwertige Reifen auf den europäischen Markt gelangen.

5. Runderneuerte Reifen brauchen eine Labeling-Regelung

Derzeit fehlt eine einheitliche Labeling-Regelung für runderneuerte Reifen, weshalb sie in der EU-Taxonomieverordnung nicht als nachhaltige Produkte anerkannt werden. Dies erschwert es Flottenbetreibern und Unternehmen, sich bewusst für umweltfreundliche Alternativen zu entscheiden. Ein standardisiertes EU-Label, das Runderneuerung und Nachhaltigkeit kennzeichnet, würde Transparenz schaffen und das Vertrauen in runderneuerte Reifen stärken. Es könnte Informationen zu Energieeffizienz, CO₂-Einsparungen und Laufleistung enthalten. Ohne klare Kennzeichnung bleiben runderneuerte Reifen in Ausschreibungen oft unberücksichtigt. Ein verpflichtendes Label würde sie als gleichwertige Alternative zu Neureifen etablieren und ihre Akzeptanz steigern. Zudem könnte es Hersteller motivieren, in nachhaltige Technologien zu investieren, um bessere Label-Klassifizierungen zu erreichen.

6. Steueranreize für den EINSATZ runderneuerte Reifen schaffen

Runderneuerte Reifen bieten erhebliche Umweltvorteile, werden jedoch aufgrund wirtschaftlicher Faktoren zu wenig genutzt. Um ihre Verbreitung zu fördern, könnte ein finanzieller Anreiz, wie eine Steuervergünstigung oder Subvention, eingeführt werden. Ein Steuernachlass pro verkauftem runderneuerten Reifen würde Unternehmen und Flottenbetreiber motivieren, nachhaltige Alternativen für die Bereifung zu bevorzugen. Dies reduziert nicht nur Kosten, sondern auch den CO₂-Fußabdruck des Transportsektors erheblich. In anderen Bereichen, wie der Elektromobilität, haben steuerliche Anreize den Wandel bereits beschleunigt – warum also nicht auch in der Reifenbranche? Eine reduzierte Mehrwertsteuer oder direkte finanzielle Unterstützung könnte runderneuerte Reifen wirtschaftlich attraktiver machen. Zudem könnte eine staatliche Förderung für Forschung und Entwicklung neuer Runderneuerungstechnologien die Qualität weiter verbessern und langfristig eine größere Akzeptanz in der breiten Bevölkerung schaffen.

7. Runderneuerte Reifen in öffentlichen Ausschreibungen bevorzugen

Öffentliche Institutionen sollten runderneuerte Reifen in Ausschreibungen bevorzugen, wenn diese verfügbar sind. Behörden und kommunale Betriebe verfügen über große Fahrzeugflotten, deren nachhaltige Ausrüstung erhebliche Umweltvorteile bringen könnte. Durch den Einsatz runderneuerter Reifen können zudem Kosten gesenkt und die Kreislaufwirtschaft gestärkt werden. Eine gesetzliche Vorgabe könnte sicherstellen, dass die nachhaltige Beschaffung langfristig Standard wird. Unternehmen, die sich um öffentliche Aufträge bewerben, sollten verpflichtet werden, umweltfreundliche Alternativen zu berücksichtigen. Diese Maßnahme würde nicht nur ökologische Vorteile bieten, sondern auch die Nachfrage nach runderneuerten Reifen steigern, wodurch sich langfristig die Produktionskapazitäten und Innovationskraft der Branche verbessern. Zudem würde die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand dazu beitragen, das Image von runderneuerten Reifen zu stärken und das Vertrauen der Verbraucher in diese nachhaltige Alternative zu erhöhen.

8. 50%-Runderneuerungs-Quote für Kommunen und kommunale Unternehmen

Kommunale Unternehmen und Behörden sollten verpflichtet werden, mindestens 50 % ihrer Fahrzeugflotten mit runderneuerten Reifen auszustatten, sofern diese verfügbar sind. Städte und Gemeinden übernehmen so eine Vorbildfunktion und zeigen, dass ökologisches und wirtschaftliches Handeln vereinbar sind. Eine gesetzliche Vorgabe stellt sicher, dass nachhaltige Lösungen gezielt gefördert werden. Die erhöhte Nachfrage nach runderneuerten Reifen würde auch zur Sicherung und zum Ausbau der Produktionskapazitäten in Europa beitragen. Gleichzeitig profitieren kommunale Haushalte von geringeren Kosten, da runderneuerte Reifen günstiger sind als Neureifen. Um die Umsetzung zu erleichtern, könnten staatliche Förderprogramme oder finanzielle Anreize für Kommunen eingeführt werden. Zudem könnten regelmäßige Berichte über die Einhaltung der Quote Transparenz schaffen und den Fortschritt in Richtung nachhaltiger öffentlicher Mobilität messbar machen.

9. Reglementierung der Reifendimensionen für Pkw-Runderneuerung

Ein großes Hindernis für die Runderneuerung von Pkw-Reifen ist die enorme Vielfalt an Reifendimensionen. Im Gegensatz zu Lkw-Reifen, die meist standardisiert sind, erschwert die Vielzahl unterschiedlicher Pkw-Reifengrößen eine wirtschaftliche Runderneuerung erheblich. Eine gesetzliche Begrenzung auf wenige Standardgrößen könnte die Produktion effizienter gestalten und die Kosten für runderneuerte Pkw-Reifen weiter senken. Dadurch würden mehr Altreifen aufbereitet, anstatt entsorgt zu werden, was der Umwelt zugutekommt. Gleichzeitig würden die Kreislaufwirtschaft gestärkt und nachhaltige Alternativen für Verbraucher attraktiver gemacht. Eine Standardisierung könnte zudem Innovationen in der Reifenbranche fördern, indem sie Investitionen in nachhaltige Produktionsprozesse erleichtert. Langfristig könnten standardisierte Reifendimensionen dazu beitragen, den Markt für runderneuerte Pkw-Reifen zu stabilisieren, wovon Qualität, Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit gleichermaßen profitieren.

10. Ökodesign-Richtlinie: Reifen-Hersteller müssen Runderneuerung berücksichtigen

Die EU-Ökodesign-Richtlinie sollte um Vorgaben ergänzt werden, die Reifenhersteller verpflichten, runderneuerungsfähige Modelle zu entwickeln. Bereits in der Design- und Entwicklungsphase neuer Reifen müssen nachhaltige Prinzipien berücksichtigt werden. Dies bedeutet die Verwendung langlebiger Materialien, eine robuste Konstruktion und klare Informationen zur Wiederverwendbarkeit. Reifen, die von Anfang an für die Runderneuerung konzipiert sind, könnten die Lebensdauer von Produkten erheblich verlängern und die Umweltbelastung senken. Eine verbindliche Regulierung würde die Kreislaufwirtschaft stärken und einen nachhaltigen Wandel in der Reifenindustrie bewirken. Zusätzlich könnte eine Kennzeichnungspflicht für runderneuerungsfähige Reifen Verbraucher dabei unterstützen, bewusst nachhaltige Entscheidungen zu treffen. So könnten Ressourcen effizienter genutzt, die Abfallmenge reduziert und die Akzeptanz runderneuerter Reifen deutlich gesteigert werden.

11. Importzölle auf Billigreifen aus Niedriglohnländern

Der europäische Reifenmarkt wird zunehmend mit Billigimporten aus Ländern mit niedrigen Umwelt- und Produktionsstandards überschwemmt. Diese Reifen sind oft minderwertig, nicht für die Runderneuerung geeignet und werden nach kurzer Nutzung entsorgt. Dies führt zu einem steigenden Abfallproblem und benachteiligt nachhaltige Hersteller. Um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten, sollten Importzölle auf solche Billigreifen erhoben werden, insbesondere wenn sie unter Produktions- und Materialkosten verkauft werden. Diese Abgaben müssten regelmäßig überprüft und an Rohstoff- sowie Energiepreise angepasst werden. Gleichzeitig könnte ein Teil der Einnahmen aus diesen Zöllen gezielt in Forschungsförderung für nachhaltige Reifenproduktion fließen. So kann die europäische Reifenbranche gestärkt, die Umwelt geschont und eine langfristige Verbesserung der Produktionsstandards gefördert werden.